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Moßdorf, August
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auch als Moßbach oder Mosdorf bezeichnet [Vgl. Kell: Fürstentum Leiningen, a.a.O., S. 372 Anm. 526]; 7.4.1758 Eckartsberga / Thüringen - † 17.6.1843 Mainz; Sohn des Amtsmannes Carl Moßdorf und der Dorothea Euphania Wislicenus; Studium Universität Leipzig ab 7.5.1776, um am 19.4.1780 stud. iur. Universität Göttin­gen; 1784-1793 [Vgl. Carl: Pfälzer Persönlichkeiten, a.a.O., S. 477] gräfl.-leining.-westerb.-altleiningischer Gerichtsschreiber und Titularrat in Grünstadt [Vgl. Fries: Zeitenwende, a.a.O., S. 65]; Landgerichts­schreiber, Mit­glied des Jakobinerclubs; Schwiegersohn des revolutionär gesinnten Grünstadter Gastwirts „Zur Krone“ Johann Jakob Jacobi und Schwa­ger des Jakobiners und Advokaten Karl *Parcus [Vgl. Lambert: 1100 Jahre Grünstadt, a.a.O., S. 103; vgl. Feßmeyer: Bausteine IV Nr. 162, 165, 166, 169 ff; vgl. Blankenheim: Aus Grünstadts vergangenen Tagen, a.a.O., S. 46; vgl. Fries: Zeitenwende, a.a.O., S. 65]. °° mit Philippina Helene Margarethe Jacobi [Vgl. Carl: Pfälzer Persönlichkeiten, a.a.O., S. 477]. Moßdorff wurde im Zuge der Munizipalisierung am 14.2.1793 zu einem der deutschen "Subkommissare" ernannt, die die bis dahin in den französisch besetzten Gebieten herrschenden Militärs ersetzten [Vgl. Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 322]. Er führte in Göllheim am 2.3.1793 die durch Androhung von Waffengewalt (1200 Soldaten mit Kanonen) erzwungenen Wahlen im Zuge der Mu­nizipalisierung [Anm.: von lat. 'municipium' = Landstadt, Kleinstadt; während der französischen Revolution, einer Stadt oder Gemeinde eine Verfassung zu geben] von Göllheim durch [Vgl. Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 342]. Moßdorff war 1793 Mitglied im Mainzer Konvent [Vgl. Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 390, 391, 551], wurde dort zum Mitglied der neuen Re­gierung, der sog. "Allgemeinen Administratio­n" ernannt [Vgl. Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 448] und wurde beim Zusammenbruch der kurzlebi­gen Mainzer Republik am 23.7.1793 verhaftet und auf der Fe­stung Ehren­breitstein als Geisel inhaftiert [Vgl. Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 475]. Auf Veranlassung der Gräfin Christiane von Leiningen-Westerburg [Vgl. Kell: Fürstentum Leiningen, a.a.O., S. 116; Anm. d. Verfassers wohl wegen der fortdauernden Inhaftierung der beiden Grafen von Leiningen in Paris] wurde die Haft verlängert. Dar­aufhin nahmen die Franzosen Grünstadter Bürger, darunter 2 Kinder als Geiseln nach Landau. Mos­dorf kam erst 1795 frei, trat anschlie­ßend in französische Dienste und brachte es 1801 bis zum stellvertretenden Präfek­ten des De­partments Monttonnère [Vgl. Kell: Fürstentum Leiningen, a.a.O., S. 116 m.w.N.; vgl. Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 551]. Nach dem Rückzug der Franzosen aus dem Linksrheinischen am 1.1.1814 nach der Niederlage bei Waterloo, wurde Mosdorf am 10.12.1814 zum Kommissar für die Ermittlung der ehemaligen leiningischen Familiengüter ernannt. Der Höninger Klosterwald wur­de auf Vorschlag Moßdorfs zu gleichen Teilen zwischen den Grafen von Leiningen-Westerburg und dem Gymnasium Grünstadt auf­geteilt. Moß­dorf erhielt am 11.3.1821 das Ritterkreuz des Civilverdienstordens der Bayerischen Krone, war da jedoch bereits Regie­rungsrat und spä­ter Geheimer Regierungsrat im Großherzogtum Hessen [Vgl. Carl: Pfälzer Persönlichkeiten, a.a.O., S. 477]. Moßdorf scheint in der französischen Revolutionszeit vermögend geworden zu sein, und erwarb im Zuge der französischen Nationalgüt­erveräußerung [Vgl. Schieder: Säkularisation und Mediatisierung, a.a.O., Bd. 4], die Schloßmühle Großkarlbach [LA Speyer Best. H33 Nr. 173 fol. 22r] und das zuvor von ihm gemietete Haus am Fischmarkt in Mainz [Vgl. Schieder: Säkularisation und Mediatisierung, a.a.O., Bd. 4, Nr. 9505]. Literatur: - Blankenheim: Aus Grünstadts vergangenen Tagen, a.a.O., S. 46 - Dumont: Mainzer Republik, a.a.O., S. 322f, 341f, 390f, 414, 419, 422, 448, 475, 551 - Ernst, Friedrich: Von den Grünstädter Revolutionären Moßdorf und Parcus; in: Neue Leininger Blätter 1927, S. 82-88 - Feßmeyer, Hans: Der Grünstadter Revolutionär August Moßbach (Moßdorf); in: Pfälzer Heimat 1953, S. 43-46 - FLA AM/Wd. 4, Fach 64 (zur Munizipalisierung Grünstadt 1793) - Fries, Zeitenwende, S. 72 ff - Göhler, L.: Der Kronenwirt Johann Jacob Jacobi in Grünstadt/Pfalz, sein Sohn Friedrich Conrad Jacobi und seine Schwiegersöhne Jo­hann Adam Borngässer, August Moßdorf und Karl Parcus (Homburg 1967-Msch.) - HHST W/RHR ob. Registratur, Kasten 1946/1: “Zuverlässige Nachrichten von den großen und außerordentlichen Drangsalen, wel­che im Jahre 1793 in der Samtgrafschaft Leiningen-Westerburg von französischen Kommissaren und Völkern und von ihnen verführ­ten treulo­sen Untertanen den Regenten und Herrschaften, der geist- und weltlichen Untertanen in Stadt und Land zugefügt worden sind” (o.O. 1793), S.4-8 (zur Munizipalisierung Grünstadt 1793) (Fundstelle fraglich, m.E. ungenaues Zitat bei Dumont, a.a.O., S. 340 Anm. 127 - HHST W/RHR ob. Registratur, Kasten 1946/1: “Wahrhafte und bescheinigte Geschichtserzählung” des leiningischen Reichshofratsagent­en Matt (1793) (zur Munizipalisierung Grünstadt 1793) - Koch, Johann Wilhelm: Hausbuch (Koch war in der Revolutionszeit Bürgermeister von Kirchheim; sein “Hausbuch ist in Auszügen er­halten und abgedruckt bei Remling: Die Rheinpfalz in der Revolutionszeit - MZN Nr. 27 v. 4.3.1793 (zur Munizipalisierung Grünstadt 1793) ist in Auszügen erhalten und abgedruckt bei Remling: Die Rhein­pfalz in der Revolutionszeit

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